Abnehmen ohne Spritze:
Semaglutid jetzt auch als Tablette

Symbolisches Bild für das Thema Semaglutid Tablette mit Bezug zu Abnehmen und Gewichtsreduktion
© Bild generiert mit KI

Abnehmen ohne Spritze

Ab dem 1. September 2026 gibt es eine neue Möglichkeit zur medikamentösen Behandlung von Adipositas.

Die sogenannten Abnehmspritzen haben die Behandlung von starkem Übergewicht und Adipositas in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Einer der bekanntesten Wirkstoffe ist Semaglutid, der unter anderem unter dem Namen Wegovy® eingesetzt wird. Ab dem 1. September 2026 steht Semaglutid zur Adipositasbehandlung in Deutschland nun auch als Tablette zur Verfügung.

Damit gibt es eine weitere Möglichkeit, Semaglutid zur Gewichtsreduktion einzusetzen, ohne sich regelmäßig spritzen zu müssen. Vor allem für Menschen, die Spritzen unangenehm finden oder Angst davor haben, kann dies eine interessante Alternative sein.

Wie wirkt Semaglutid?

Semaglutid gehört zur Gruppe der sogenannten GLP-1-Medikamente. Vereinfacht gesagt verstärkt es Signale im Körper, die Hunger und Sättigung regulieren. Viele Menschen haben dadurch weniger Appetit, sind nach einer Mahlzeit schneller und länger satt und nehmen insgesamt weniger Nahrung zu sich.

Genau dieser Effekt wird bereits bei den bekannten Abnehmspritzen genutzt. Die neue Tablette enthält denselben Wirkstoff – lediglich die Art der Anwendung unterscheidet sich.

Wirkt die Tablette genauso gut wie die Spritze?

Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass auch mit der Tablette eine deutliche Gewichtsabnahme erreicht werden kann. In einer großen Zulassungsstudie verloren die Teilnehmer innerhalb von gut einem Jahr durchschnittlich rund 14 Prozent ihres Ausgangsgewichts. Damit liegt die Wirkung in einer ähnlichen Größenordnung wie bei der Behandlung mit der Spritze.

Wie viel Gewicht tatsächlich verloren wird, ist allerdings individuell sehr unterschiedlich. Auch Medikamente können eine erfolgreiche Gewichtsabnahme nicht garantieren.

Für wen kommt die Behandlung infrage?

Die Voraussetzungen unterscheiden sich grundsätzlich nicht von denen der bisherigen Semaglutid-Behandlung. Infrage kommt die Therapie für Erwachsene mit Adipositas ab einem BMI von 30 kg/m² sowie ab einem BMI von 27 kg/m², wenn zusätzlich gewichtsbedingte Begleiterkrankungen bestehen.

Ob Semaglutid im individuellen Fall sinnvoll ist, lässt sich jedoch nicht allein anhand des BMI entscheiden. Begleiterkrankungen, bisherige Versuche zur Gewichtsreduktion, andere Medikamente und mögliche Gegenanzeigen sollten vor Beginn der Behandlung berücksichtigt werden.

Ist die Tablette einfacher als die Spritze?

Nicht unbedingt. Die Spritze wird in der Regel nur einmal pro Woche angewendet. Die Tablette muss dagegen jeden Tag nüchtern eingenommen werden. Danach darf für mindestens 30 Minuten nichts gegessen oder getrunken werden; auch andere Medikamente sollen in dieser Zeit nicht eingenommen werden.

Für manche Menschen wird die Tablette trotzdem angenehmer sein, weil die Injektion entfällt. Andere werden die einmal wöchentliche Spritze praktischer finden.

Es gibt deshalb kein grundsätzliches „besser“ oder „schlechter“. Die neue Tablette schafft vor allem mehr Wahlfreiheit.

Und die Nebenwirkungen?

Die möglichen Nebenwirkungen entsprechen weitgehend denen der Semaglutid-Spritze. Am häufigsten treten Beschwerden des Magen-Darm-Traktes auf. Dazu gehören beispielsweise Übelkeit, Völlegefühl, Verstopfung, Durchfall oder gelegentlich Erbrechen.

Deshalb wird die Behandlung üblicherweise mit einer niedrigen Dosis begonnen und anschließend schrittweise gesteigert. Eine ärztliche Begleitung und regelmäßige Kontrollen sind dabei sinnvoll.

Beim Abnehmen nicht nur auf die Kilogramm achten

Eine erfolgreiche Adipositastherapie sollte nicht allein danach beurteilt werden, wie viele Kilogramm die Waage weniger anzeigt. Bei einer stärkeren Gewichtsabnahme kann neben Körperfett auch fettfreie Masse und insbesondere Muskelmasse verloren gehen. Das gilt grundsätzlich für jede größere Gewichtsreduktion und ist auch bei einer medikamentös unterstützten Gewichtsabnahme ein wichtiger Aspekt.

Ein möglichst guter Erhalt der Muskelmasse ist aus mehreren Gründen wichtig: Muskulatur wird für Kraft und körperliche Leistungsfähigkeit benötigt und spielt gleichzeitig eine wichtige Rolle für den Energie- und Zuckerstoffwechsel.

Deshalb führen wir im Rahmen unserer Begleitbetreuung regelmäßige BIA-Messungen (Bioelektrische Impedanzanalyse) durch. Anders als die Waage zeigt die BIA nicht nur die Veränderung des Körpergewichts, sondern ermöglicht eine Beurteilung der Körperzusammensetzung. So können wir verfolgen, ob bei der Gewichtsabnahme vor allem Fettmasse reduziert wird oder ob in relevantem Umfang auch Muskelmasse verloren geht.

Zeigt sich ein ungünstiger Verlauf, kann frühzeitig gegengesteuert werden. Dazu kann insbesondere eine Anpassung der Ernährung, beispielsweise hinsichtlich Energie- und Eiweißzufuhr, gehören. Auch eine an die individuellen Möglichkeiten angepasste körperliche Aktivität und insbesondere muskelkräftigendes Training können zum Erhalt der Muskulatur beitragen.

Das Ziel lautet daher nicht einfach „möglichst viele Kilogramm verlieren“, sondern eine möglichst günstige Veränderung der Körperzusammensetzung.

Eine Tablette – aber keine einfache „Abnehmpille“

Die Bezeichnung „Abnehmpille“ klingt verlockend: morgens eine Tablette einnehmen und das Gewichtsproblem ist gelöst. So funktioniert eine moderne Adipositasbehandlung jedoch nicht.

Semaglutid kann das Abnehmen deutlich erleichtern. Das Medikament verändert aber nicht automatisch Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsverhalten oder andere Faktoren, die zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Adipositas beitragen.

Auch die neue Tablette ist deshalb als Ergänzung zu einer Veränderung von Ernährung und Lebensstil vorgesehen.

Genau hier liegt der Ansatz unserer ernährungsmedizinischen Behandlung: Wir betrachten Medikamente wie Semaglutid nicht als alleinige Therapie, sondern als möglichen Baustein eines umfassenden Behandlungskonzepts. Dazu gehören je nach Ausgangssituation eine individuelle Ernährungsumstellung, die Kontrolle der Körperzusammensetzung mittels BIA, Bewegung sowie die Untersuchung relevanter Stoffwechsel- und Risikofaktoren.

Was passiert nach dem Absetzen?

Diese Frage sollte bereits vor Beginn einer Behandlung besprochen werden. Denn nach dem Absetzen von GLP-1-Medikamenten können Hunger und Appetit wieder zunehmen – und damit häufig auch das Gewicht.

Die Zeit während der medikamentösen Unterstützung sollte deshalb möglichst genutzt werden, um Ernährung und Lebensgewohnheiten dauerhaft zu verändern. Das Ziel ist nicht nur, Gewicht zu verlieren, sondern Voraussetzungen zu schaffen, um das erreichte Gewicht anschließend möglichst langfristig zu halten.

Warum eine ärztlich begleitete Behandlung wichtig ist

Mit der Tablette dürfte die Hemmschwelle für eine medikamentöse Gewichtsabnahme weiter sinken. Eine Behandlung mit Semaglutid sollte dennoch nicht auf die Ausstellung eines Rezepts reduziert werden.

In unserer Praxis prüfen wir vor Therapiebeginn, ob eine medikamentöse Unterstützung individuell sinnvoll ist. Während der Gewichtsabnahme erfolgen regelmäßige Kontrollen und eine begleitende ernährungsmedizinische Behandlung. Dabei betrachten wir nicht nur das Körpergewicht, sondern beispielsweise auch die Entwicklung der Körperzusammensetzung und der Muskelmasse.

So kann die Behandlung an den individuellen Verlauf angepasst werden – mit dem Ziel, nicht einfach möglichst schnell Gewicht zu verlieren, sondern die Gewichtsreduktion gesundheitlich sinnvoll und möglichst nachhaltig zu gestalten.

Unser Fazit

Ab dem 1. September 2026 erweitert die Semaglutid-Tablette die Möglichkeiten der Adipositasbehandlung in Deutschland. Für Menschen, die keine Spritzen verwenden möchten, kann sie eine interessante Alternative sein. Die bisherigen Daten zeigen eine Gewichtsabnahme in einer ähnlichen Größenordnung wie bei der Spritzentherapie.

Ob Tablette oder Spritze besser zum eigenen Alltag passt, ist letztlich eine individuelle Entscheidung. Viel wichtiger als die Darreichungsform ist jedoch das Behandlungskonzept dahinter.

Medikamente können beim Abnehmen wirkungsvoll unterstützen. Entscheidend ist aber nicht nur, wie viel Gewicht verloren wird, sondern auch, was verloren wird. Eine ernährungsmedizinische Begleitung mit regelmäßiger Kontrolle der Körperzusammensetzung kann dazu beitragen, Muskelmasse möglichst zu erhalten, die Ernährung bei Bedarf anzupassen und die Voraussetzungen für einen langfristigen Behandlungserfolg zu verbessern.